CBDCs vs. Stablecoins: Die Zukunft des digitalen Geldes
Wie sich digitales Zentralbankgeld von Stablecoins und tokenisierten Einlagen unterscheidet, wo E-CNY und digitaler Euro stehen und was das für Sie bedeutet.

Auf dieser Seite
- Das Wichtigste in Kürze
- Drei Arten digitalen Geldes
- Retail- und Wholesale-CBDCs
- Wo die großen Projekte stehen
- Privatsphäre, Programmierbarkeit und Offline-Nutzung
- Tokenisierte Einlagen: die Antwort der Banken
- Wie öffentliches und privates Geld nebeneinander bestehen können
- Was das für Sie im Alltag bedeutet
- Häufige Fragen
- Quellen
Geld wird gerade von zwei Seiten zugleich digital. Zentralbanken entwickeln digitale Versionen ihrer eigenen Währungen, während private Unternehmen Stablecoins ausgeben – Krypto-Token, die an Währungen wie den Dollar gekoppelt sind. Geschäftsbanken wiederum bringen gewöhnliche Einlagen auf Blockchains.
Dieser Leitfaden erklärt, wie sich diese Formen digitalen Geldes unterscheiden, wo die wichtigsten staatlichen Projekte im September 2026 stehen und was die Wahl zwischen ihnen für Sie bedeuten kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine CBDC ist eine direkte Forderung gegen eine Zentralbank, ein Stablecoin eine Forderung gegen einen privaten Emittenten und eine tokenisierte Einlage eine Forderung gegen Ihre Bank.
- Ende 2024 arbeiteten 91 % der 93 von der BIZ befragten Zentralbanken an einer CBDC, doch nur drei Retail-CBDCs waren voll in Betrieb.
- Chinas E-CNY bringt in Bank-Wallets inzwischen Zinsen, ein digitaler Euro könnte 2029 kommen, und ein US-Gesetz verbietet der Federal Reserve bis Ende 2030 eine Retail-CBDC.
- Wholesale-Projekte, die Zahlungen zwischen Banken abwickeln, kommen schneller voran als Retail-Projekte.
- Für Nutzer zählen vor allem drei Fragen: Wer schuldet Ihnen das Geld, was schützt es und wer kann Ihre Zahlungen sehen?
Drei Arten digitalen Geldes
Das meiste Geld, das Sie nutzen, ist längst digital: Ein Kontoguthaben ist schlicht ein Versprechen Ihrer Bank. Neu ist, wer das Geld ausgibt und auf welcher Technik.
Mindmap: Geld
- Öffentliches Geld
- Bargeld
- Retail-CBDC
- Wholesale-CBDC
- Privates Geld
- Bankeinlagen
- Tokenisierte Einlagen
- Stablecoins
Digitales Zentralbankgeld (CBDC, Central Bank Digital Currency) ist Geld, das eine Zentralbank in digitaler Form und in der Landeswährung ausgibt, ähnlich einer digitalen Banknote. Ein Stablecoin ist ein Token, den ein privates Unternehmen ausgibt und mit Reserven deckt; wie das funktioniert, erklärt unser Beitrag Stablecoins erklärt. Eine tokenisierte Einlage ist eine gewöhnliche Bankeinlage, die in einem Blockchain-ähnlichen Register geführt wird und daher eine Forderung gegen die Bank bleibt.
| CBDC | Stablecoin | Tokenisierte Einlage | |
|---|---|---|---|
| Wer schuldet Ihnen | Die Zentralbank | Ein privater Emittent | Ihre Bank |
| Was Sie schützt | Zentralbankgeld, kein Ausfallrisiko | Reserven und Regulierung | Bankaufsicht, Einlagensicherung |
| Zinsen | Meist keine | Für Emittenten in EU und USA verboten | Möglich, wie bei jeder Einlage |
| Wer es nutzt | Öffentlichkeit oder Banken | Jeder mit Wallet | Vor allem Kunden der Bank |
Retail- und Wholesale-CBDCs
Eine Retail-CBDC ist für alle gedacht: Haushalte und Geschäfte nutzen sie für alltägliche Zahlungen, wie Bargeld in digitaler Form. Eine Wholesale-CBDC steht nur Banken und anderen Finanzinstituten offen, um große Zahlungen untereinander abzuwickeln oder tokenisierte Wertpapiere zu bezahlen.
Bei Wholesale-CBDCs ist man weiter. In der Umfrage der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) von 2024 erprobten 38 % der Zentralbanken in Industrieländern eine Wholesale-CBDC in Pilotprojekten, und 17 % bereiteten ein Livesystem vor – bei Retail-CBDCs waren es 15 % beziehungsweise null.
Quelle: BIZ-Umfrage zu CBDCs und Krypto, 2024
| % der Zentralbanken | |
|---|---|
| Retail-Pilot | 15 |
| Wholesale-Pilot | 38 |
| Retail-Livesystem in Arbeit | 0 |
| Wholesale-Livesystem in Arbeit | 17 |
Am 21. September 2026 startete das Eurosystem Pontes, über das Banken Geschäfte mit tokenisierten Vermögenswerten in Zentralbankgeld abwickeln können; erste Nutzer sind 13 Banken und vier Betreiber von Distributed-Ledger-Plattformen. Das BIZ-Projekt Agorá, in dem Zentralbanken wie die Bank of England, die New York Fed und die Bank of Japan mit mehr als 40 Finanzunternehmen zusammenarbeiten, meldete im Mai 2026, dass sein Prototyp grenzüberschreitende Zahlungen nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip mit tokenisierten Zentralbankreserven und Bankeinlagen abwickeln konnte.
Wo die großen Projekte stehen
- 91 %: der 93 befragten Zentralbanken arbeiteten Ende 2024 an einer CBDC
- 3: voll aktive Retail-CBDCs Ende 2024: Bahamas, Jamaika, Nigeria
- 16,7 Billionen Yuan: E-CNY-Zahlungen bis Ende November 2025
China: E-CNY. Der digitale Yuan ist das größte Projekt, befindet sich aber noch in der Pilotphase. Bis Ende November 2025 wurden damit 3,48 Milliarden Transaktionen im Wert von 16,7 Billionen Yuan abgewickelt. Am 1. Januar 2026 änderte sich das Konzept: Guthaben in Wallets, die von Geschäftsbanken geführt werden, gelten seither als Bankeinlagen, werden verzinst und sind von der Einlagensicherung erfasst. 2021 hatte die chinesische Zentralbank den E-CNY noch als digitales Bargeld ohne Verzinsung beschrieben.
Euroraum: digitaler Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat das Projekt im Oktober 2025 in die nächste Phase überführt. Sie plant ab der zweiten Jahreshälfte 2027 ein zwölfmonatiges Pilotprojekt, für das im Juli 2026 36 Zahlungsdienstleister ausgewählt wurden, und könnte 2029 erstmals digitale Euro ausgeben – sofern das EU-Gesetz 2026 verabschiedet wird. Das Europäische Parlament bestätigte seine Verhandlungsposition am 9. Juli 2026; die Gespräche mit den EU-Regierungen sollen bis Jahresende abgeschlossen sein. Über die Ausgabe entscheidet die EZB erst, wenn das Gesetz steht.
Bahamas: Sand Dollar. Im Oktober 2020 landesweit eingeführt, war er die erste CBDC, die einem ganzen Land zur Verfügung stand. Die Nutzung ist bescheiden: Ende 2024 machte er rund 0,4 % des Bargeldumlaufs aus, obwohl 133.481 Wallets für Verbraucher eröffnet worden waren – etwa ein Drittel der Bevölkerung. Jamaikas JAM-DEX (2022) und Nigerias eNaira (2021) sind die beiden anderen länger laufenden Retail-CBDCs; Nigerias Zentralbank hat eingeräumt, dass sich der eNaira nur langsam durchsetzt.
Russland, Indien und Großbritannien. Russland begann am 1. September 2026 mit der breiten Einführung seines digitalen Rubels: Die größten Banken müssen ihn nun anbieten und große Händler ihn akzeptieren; bis 2028 sollen alle Banken folgen. Indiens E-Rupie ist weiterhin ein Pilotprojekt. In Großbritannien wollen die Bank of England und das Finanzministerium 2026 entscheiden, ob sie beim digitalen Pfund über die Konzeptphase hinausgehen.
Vereinigte Staaten. Eine Executive Order vom Januar 2025 untersagte Bundesbehörden jeden Schritt, eine CBDC zu schaffen oder zu fördern. Im Juli 2026 ging der Kongress weiter: Ein Wohnungsbaugesetz, das ohne Unterschrift des Präsidenten Gesetzeskraft erlangte, verbietet der Federal Reserve bis zum 31. Dezember 2030, eine CBDC auszugeben, die „der breiten Öffentlichkeit zugänglich“ ist – direkt oder über Banken. Die USA setzen stattdessen auf regulierte private Dollar-Stablecoins.
- : Die Bahamas führen den Sand Dollar landesweit ein
- : Nigeria führt den eNaira ein
- : US-Executive-Order stoppt CBDC-Arbeit der Bundesbehörden
- : EZB bringt den digitalen Euro in die nächste Phase
- : E-CNY in Bank-Wallets wird verzinst
- : US-Gesetz verbietet eine Retail-CBDC der Fed bis Ende 2030
- : Russland startet die breite Einführung des digitalen Rubels
- : Eurosystem startet Pontes für die Abwicklung unter Banken
- : Geplanter Start eines zwölfmonatigen Pilotprojekts zum digitalen Euro
- : Mögliche erste Ausgabe des digitalen Euro
Privatsphäre, Programmierbarkeit und Offline-Nutzung
Privatsphäre. Laut EZB könnte das Eurosystem Personen nicht anhand ihrer Zahlungen mit digitalem Euro identifizieren, und Offline-Zahlungen wären so privat wie Bargeld: Nur Zahler und Empfänger würden die Details kennen. Chinas E-CNY folgt dem Prinzip der „kontrollierten Anonymität“: Kleine Zahlungen können anonym sein, große sind nachverfolgbar. Stablecoins laufen auf öffentlichen Blockchains, auf denen jede Überweisung für alle sichtbar ist, auch wenn keine Namen zu sehen sind – und Emittenten können Token einfrieren.
Programmierbarkeit. Programmierbares Geld lässt sich nur auf vorher festgelegte Weise ausgeben, wie ein Gutschein. Die EZB betont, der digitale Euro wäre kein programmierbares Geld, könnte aber bedingte Zahlungen unterstützen, etwa eine automatische Erstattung bei Reisestörungen. Indien hat den anderen Weg ausprobiert: In einigen Regionen wurden Lebensmittelzuschüsse als programmierbare E-Rupien ausgezahlt, die sich nur für berechtigte Waren in zugelassenen Geschäften ausgeben lassen.
Offline-Nutzung. Eine CBDC kann so gestaltet werden, dass sie ohne Verbindung von Gerät zu Gerät funktioniert – wichtig bei Netzausfällen. Der digitale Euro ist mit einer Offline-Funktion geplant, und Chinas Zentralbank hat Offline-Zahlungen für den E-CNY untersucht. Stablecoins brauchen dagegen eine aktive Verbindung zu einer Blockchain, um bewegt zu werden.
Tokenisierte Einlagen: die Antwort der Banken
Banken bringen gewöhnliche Einlagen auf Blockchains, damit Geld rund um die Uhr fließen und zusammen mit tokenisierten Vermögenswerten abgewickelt werden kann. JPM Coin (JPMD) von J.P. Morgan, ein Dollar-Einlagentoken auf der Blockchain Base, steht seit November 2025 den institutionellen Kunden der Bank offen. In 30 % der in der BIZ-Umfrage erfassten Länder arbeiteten Geschäftsbanken an tokenisierten Einlagen, und einige hatten sie bereits eingeführt.
Da eine tokenisierte Einlage weiterhin eine Einlage ist, kann sie verzinst werden und bleibt unter Bankaufsicht. Die BIZ sieht tokenisierte Zentralbankreserven, tokenisierte Bankeinlagen und tokenisierte Staatsanleihen auf einem gemeinsamen „einheitlichen Ledger“ als Fundament des künftigen Geldsystems.
Wie öffentliches und privates Geld nebeneinander bestehen können
Das heutige System funktioniert, weil sich die verschiedenen Geldformen eins zu eins tauschen lassen: Ein Euro auf Ihrem Bankkonto, eine Euromünze und ein Euro bei der Zentralbank sind jeweils genau einen Euro wert. Zentralbanken sprechen von der Einheitlichkeit des Geldes (Singleness).
Die BIZ argumentiert, dass Stablecoins diesen Test nicht bestehen und auch bei der Elastizität (genug Liquidität, damit Zahlungen nie stocken) und der Integrität (Schutz vor Finanzkriminalität) Schwächen haben. Ihr Jahreswirtschaftsbericht vom Juni 2026 warnt, dass eine breitere Nutzung verändern könnte, wie sich Banken finanzieren und Kredite vergeben.
Zentralbanken beschreiben stattdessen ein System in Schichten. Im Kern bleibt Zentralbankgeld, als Bargeld, als Reserven der Banken und in manchen Ländern als CBDC. Darauf bauen Banken tokenisierte Einlagen auf, und regulierte Stablecoins laufen daneben – mit Gesetzen wie MiCA in der EU und dem GENIUS Act in den USA, die volle Reserven und den Rücktausch zum Nennwert verlangen. Chinas Schritt, E-CNY-Guthaben in Bankeinlagen umzuwandeln, zeigt, wie sehr die Grenzen verschwimmen können.

Was das für Sie im Alltag bedeutet
Für die meisten Menschen ändert sich über Nacht nichts: Karten, Banking-Apps und Bargeld funktionieren weiter. Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto wichtiger ist es aber zu wissen, was Sie in der Hand halten.
- Wer schuldet Ihnen das Geld? Die Zentralbank, Ihre Bank oder ein privates Unternehmen. Davon hängt ab, was passiert, wenn etwas schiefgeht.
- Was schützt es? Eine CBDC trägt kein Ausfallrisiko des Emittenten, die Einlagensicherung deckt Bankeinlagen bis zu einer Grenze, und Stablecoin-Inhaber verlassen sich auf Reserven und Rücktauschrechte.
- Gibt es Obergrenzen? Beim digitalen Euro wäre begrenzt, wie viel eine Person halten darf; die EZB hat Grenzen von bis zu 3.000 Euro getestet. Russland begrenzt Aufladungen des digitalen Rubels auf 300.000 Rubel im Monat.
- Was kostet es? Die Grundnutzung des digitalen Euro wäre kostenlos, und Zahlungen mit digitalem Rubel sind für Privatpersonen gebührenfrei; für Stablecoin-Überweisungen fallen Netzwerkgebühren an.
- Wer sieht Ihre Zahlungen? Das hängt vom Design ab – von bargeldähnlicher Privatsphäre offline bis zu vollständig öffentlichen Blockchains.
Bevor Sie eine neue Form digitalen Geldes ausprobieren, stellen Sie drei Fragen: Wer schuldet mir dieses Geld, was schützt es, wenn diese Partei ausfällt, und wer kann meine Zahlungen sehen?
Häufige Fragen
Ersetzt eine CBDC das Bargeld?
Im Euroraum nicht. Laut EZB würde der digitale Euro das Bargeld ergänzen, nicht ersetzen, und wäre wie Banknoten und Münzen gesetzliches Zahlungsmittel.
Gibt es einen digitalen Dollar?
Nicht von der Zentralbank. Ein US-Gesetz verbietet der Federal Reserve bis Ende 2030, eine Retail-CBDC auszugeben. Die digitalen Dollar im Umlauf sind private Stablecoins wie USDT und USDC.
Bekäme ich Zinsen auf eine CBDC?
Meist nicht: Der digitale Euro würde keine Zinsen tragen. China ist die Ausnahme. Seit Januar 2026 gilt E-CNY in Bank-Wallets als Einlage und wird verzinst.
Kann ein Stablecoin zu einer CBDC werden?
Nein. So streng die Regeln auch sind, ein Stablecoin bleibt eine Verbindlichkeit eines privaten Unternehmens. Zentralbankgeld kann nur eine Zentralbank ausgeben.
Quellen
- BIZ: Results of the 2024 BIS survey on central bank digital currencies and crypto
- BIZ: Next-generation monetary and financial system takes shape, based on a tokenised unified ledger
- BIZ: The path to the next-generation monetary and financial system lies in safeguarding trust in money
- BIZ: Project Agorá shows how tokenisation can improve wholesale cross-border payments
- EZB: Eurosystem moving to next phase of digital euro project
- EZB: FAQs on the digital euro
- EZB: Digital euro pilot
- EZB: Eurosystem brings central bank money to tokenised finance
- Banca d'Italia: The European Parliament decided to open negotiations on the digital euro regulation
- Staatsrat der Volksrepublik China: China to enhance digital yuan management with deposit features starting 2026
- Chinesische Volksbank: Progress of research and development of e-CNY in China
- IWF: The Bahamas, 2025 Article IV consultation
- Bank of Russia: Digital ruble launched
- Bank of England: The digital pound
- The White House: Strengthening American leadership in digital financial technology
- GovInfo: H.R. 6644, 21st Century ROAD to Housing Act, enrolled bill
- J.P. Morgan: JPM Coin (JPMD) USD deposit token available for institutional clients


